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Der Planetenwanderweg Neuhof - Kalbach


von Bernhard Schad, Neuhof
 

Vor allem an den Wochenenden zwischen Ostern und Winteranfang sind es Wanderer, Jogger und Radfahrer, die den Planetenwanderweg Neuhof - Kalbach ansteuern. Dieser in Hessen einmalige Planetenweg, der am 11.06.1999 an der Johannes-Kepler-Schule in Neuhof feierlich eröffnet wurde, ging aus einem Projekt hervor, das Bernhard Schad, Lehrer an der Winfriedschule in Fulda, mit Hilfe einiger Schüler durchführte.

Finanziell unterstützt wurde dieses Vorhaben von den Gemeinden Neuhof und Kalbach, dem Landkreis Fulda, dem Amt für Regionalentwicklung, Landschaftspflege und Landwirtschaft (ARLL) und der Sparkasse Fulda.

Der etwas über 10 km lange Wanderweg (einfache Strecke, Luftlinie) führt von Neuhof nach Kalbach-Eichenried.

Als Ausgangspunkt bot sich die nach dem Entdecker der Planetenbahnen, dem Astronom und Mathematiker Johannes Kepler benannte Schule an, die in idyllischer Lage am Waldrand weithin sichtbar am Opperzer Berg thront. Ein großer Vorteil dieses Lehrpfades gegenüber anderen Planetenwanderwegen ist, dass man von der jeweiligen Station Ausblicke auf andere Stationen und die herrliche Mittelgebirgslandschaft am Rande des Biosphärenreservates Rhön hat.

Von Kalbach-Eichenried als Außenstation (Pluto) bietet sich dem Wanderer ein Panoramablick über Wasserkuppe, Milseburg, Kuppenrhön, Fulda bis zum Hoherodskopf im Vogelsberg und natürlich über unser im Planetenwanderweg dargestelltes Sonnensystem.

 

 

Entlang an 11 Schautafeln können Einheimische, Feriengäste und Schülergruppen unser Sonnensystem erforschen und erwandern. Diese Schautafeln präsentieren neben wesentlichen Informationen und Daten in verständlicher Form auch viele Fotos. Daneben wurde auf maßstabsgerechte Entfernungen und Darstellungen geachtet.

Überträgt man das Sonnensystem auf heimische Verhältnisse, so schwebt die Sonne als 1,39 m großer Ball über der Schule. Dieses Verhältnis erhält man, wenn man die Sonne im Maßstab 1:1 Milliarde Meter verkleinert. Den gleichen Maßstab wendet man an, wenn man etwa die Strecke Neuhof - Florenz (= ca. 1000 km) auf 1 mm schrumpfen lässt. Jeder Schritt von 1 m lässt den Besucher 1 Million km hinter sich bringen.

 

 

Routenbeschreibung

Bei einer Wandergeschwindigkeit von 4 km/h nähert sich der Spaziergänger - übertragen auf die kosmische Ebene - mit vierfacher Lichtgeschwindigkeit dem Mars, der in nur 228 m Entfernung vom Ausgangspunkt am Waldrand die Sonne umwandert.

Schon im Wald Richtung Niederkalbach auf einer kleinen Kreuzung umrundet der Riesenplanet Jupiter mit seinen 68 Monden unser Zentralgestirn.

Am Waldrand oberhalb des Neubaugebietes Niederkalbach in der Nähe des Bienenhäuschens umkreist der „Herr der Ringe“ Saturn mit seinen 62 Monden in knapp 29 Jahren die Sonne.

Nach Erreichen der Waldstraße in Niederkalbach muss man bis zum Friedhof nach Mittelkalbach wandern, wo man auf Uranus mit seinen 27 Monden trifft. Er bewegt sich in 84 Jahren einmal um unser Zentralgestirn.

Über den Mühlenweg in Mittelkalbach, nach Überqueren der Kalbachfurt und dem Passieren der „Mühlhanse Mühle“ findet man beim Berghäuschen in der Nähe der Eisenbahnbrücke den nur wenig kleineren Neptun (14 Monde), der die Sonne in 165 Jahren umrundet. 

Um den nur 3 mm großen Zwergplaneten Pluto aufzuspüren, müssen wir nun von der Landstraße nach Veitsteinbach über die „alte Straße“ nach Eichenried zur alten Schule hinaufsteigen. Hier umkreist der erst 1930 entdeckte Winzling zusammen mit seinem Mond Charon und vier weiteren kleinen Monden in 250 Jahren die Sonne.

Weiter draußen und schon in Bayern findet man neben den Asteroidengürteln auch noch die Zwergplaneten Eris, Sedna, Haumea, Makemake, Quaoar, Orcus und weitere kleinere Himmelskörper, die zu unserem Sonnensystem gehören.

 

 

Die Entfernung zur Sonne erscheint uns mit fast 6 Mrd. km gewaltig, zumal ein Raumschiff für diese Entfernung ca. 12 Jahre bräuchte. Um aber unsere Nachbarsonne Proxima Centauri zu erreichen, müsste man nach unserem Modell einmal um die ganze Erde laufen und 43.000 km zurücklegen, um nachzusehen, ob dieses Sonnensystem Planeten wie unsere Erde aufweist. In der Realität bräuchte ein modernes Raumschiff für diese Strecke ca. 100.000 Jahre.

Dabei stellt unser Sonnensystem nur eines von 100 Milliarden Systemen in unserer Milchstraße dar und unsere Milchstraße ist nur eine von 100 Milliarden Galaxien.

 

 

Karte: Ernst Klett Verlag